Nach der DIK: Der Wunsch nach Macht, Einfluss und Geld

Die „Deutsche Islam Konferenz“ (DIK) ist zu Ende. Oder genauer das „Konzil“ von Berlin, welches den Islam verwässern sollte und das Schweinefleisch und Alkoholverbot im Koran für nichtig erklären sollte ist zu Ende. Natürlich Spaß! Oder doch nicht? Zu mindestens wurde dies ernsthaft im Vorfeld kolportiert. Aber jetzt ernsthaft.

Deshalb plädiere ich für Folgendes – unabhängig davon wer teilnimmt. Alle Teilnehmersollten im Vorfeld ihre Projekte und Ideen der Öffentlichkeit vorstellen. WirNormalos haben ein Anrecht darauf zu wissen, wer, was vertritt:  „ Was habt ihr für uns Muslime in Deutschlandanzubieten? Was sind Eure Vorschläge, eure Projekte?“ Konkret würde dies z.B. heißen:„Was denken die einzelnen Vertreter über die Imamausbildung in Deutschland“ oderwie unser Muslimsein Hier und Heute im deutschsprachigen Kontext aussehenkönnte. Dazu habe ich noch nichts vernommen!

Wenn man sich die Eindrücke der Teilnehmer im Vorfeld anschaut, kann man zwei Gruppen ausmachen. Die einen waren vorweg pessimistisch und glaubten, dass die DIK nichts bringen werde. Die Optimisten waren insbesondere unter staatlichen Vertretern und Vertretern von neuen Initiativen. Die Hauptargumente der Pessimisten: zum einen, dass der deutsche Staat sich in Dinge einmischen wolle, die nicht in sein Hoheitsgebiet fallen: Ein „deutscher Islam“. Viele Muslime stören sich an dem Begriff, weil er missverständlich ist. Er suggeriert einen Anderen, einen neu kreierten Islam, ein Islam der nicht authentisch ist. Dahinter wurde die Vorstellung vermutet, dass der Islam ausgehöhlt werden soll. Also eine theologische Aushöhlung des Islams durch den deutschen Staat. Dabei half es auch nicht, das Staatssekretär Markus Kerber, der die DIK koordiniert, die Sicht des Staates  öffentlich definierte und eine thelogische Ausrichtung durch den Staat verneinte: „Unser Ziel ist ein Islam in, aus und für Deutschland. (….) Wir brauchen die Debatte über einen in Deutschland beheimateten Islam. Diese Debatte wird breit, öffentlich und auch kontrovers geführt werden. Sie wird aber inhaltlich nicht durch den Staat oder die Regierung geformt. Diese Diskussion, diese Auseinandersetzung muss vielmehr maßgeblich eine innermuslimische sein. Die DIK ist dafür Plattform und Bühne.“ Zu dieser innerislamischen Diskussion zählt Kerber auch Organisationen wie liberale Muslime, die neu gegründete Inititative säkularer Islam, von Cem Özdemir, Seyran und Ahmad Mansour und Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft.

Quelle: tagesschau.de

Also Persönlichkeiten, die in der muslimischen Community nicht gern gesehen sind, weil sie nicht nur islamischen Verbänden den Kampf angesagt haben, sondern den Islam von Grund auf reformieren wollen: „Muslime gelten demnach als fortschrittlich, wenn sie die Muster der nicht muslimischen Mehrheit nachahmen und die Spuren ihres Muslimseins möglichst hinter sichlassen, etwa wenn sie „Aufklärung“ und „Demokratie“ rufen oder wenn sie ihr Kopftuch ablegen. Sie gelten als rückständig, wenn sich ihr Islamverständnis nicht in die Vorstellung von keimfreier Religion einfügt“, so Schirin Amir-Moazami in der „Zeit“ über die Initiative. Folglich fühlen sich die Verbandsfunktionäre nicht nur in ihrer Deutungshoheit getroffen, sondern ihre Frömmigkeit und Muslimsein steht damit zur Disposition. Im Gegenzug hat leider auch die Alhambra Gesellschaft bis dato die Erwartungen nicht erfüllen können .Obwohl sie sich vorgenommen hat, die Frage aufzuwerfen, „ob es Diskursräume gibt, in denen wir uns über kontroverse Punkte konstruktiv austauschen und auchstreiten können“, so Eren Güvercin. Sie werden von den Verbandsfunktionären wie die Pest gemieden und erwecken den Eindruck eines Debattierklubs zu sein, der sich im Kleinkrieg mit den Verbänden aufreibt.

Die „schweigende Mehrheit“ ?

Eins wird aber in der Diskussion gern unterschlagen, dass  nicht nur namhafte nicht-muslimische Akademiker wie Prof. Janbard Oebbecke oder Prof. Mathias Rohe mit Muslimen über die Zukunft des Islams in Deutschland diskutiert haben, sondern auch Akteure wie Seyran Ates oder Necla Kelek schon von anfang an dabei waren. Die Verbände waren demnach immer mit Einzelpersonen konfrontiert, die die sog. „schweigende Mehrheit“ repräsentieren sollten. Folglich ist die aktuelle Kritik an der Zusammensetzung kaum nachvollziehbar. Der Pessimismus wird aber nicht nur von den Verbänden geteilt, auch muslimische Akademiker wie Prof. Bülent Uçar (Uni Osnabrück), der auch bei der ersten DIK präsent war, teilen sie auch. „Die Ankündigung Seehofers, Moscheegemeinden finanziell unterstützen zu wollen, sieht Ucar skeptisch. In der Vergangenheit habe es solche Ankündigungen zuhauf gegeben, ohne dass sieumgesetzt worden seien“, so Uçar.

Eın weıterer Punkt wird außer Acht gelassen: auch in den sog. islamischen Ländern versucht der Staat den Islam zu definieren und sucht sich dabei die Teilnehmer selbst raus: z.B. tritt seit 1993 die „Din Surasi“ unter der Führung der Religionsbehörde (DIyanet) in der Türkei zusammen und formuliert Ziele, die weit in das religiöse Leben hineingreifen. Noch interessanter ist, dass auch auf diesen Veranstaltungen sog. „modernistische“ Ansätze offen diskutiert wurden. Also mit Vertretern von Mindermeinungen. Und dieses Vorgehen stößt bei den türkischstämmigen Verbandsfunktionären kaum auf Kritik, weil viele Gruppierungen und Zivilorganisationen sich mittlerweile mit dem Staat arrangiert haben und die Einflussnahme der Türkei auf die Islamverbände als selbstverständlich halten, aber die Einflussnahme des deutschen Staates vehement  kritisieren. Nichtsdestotrotz ist in der Kritik etwas nachvollziehbares, nämlich das durch das Setting bestimmte Gruppen und Vertreter favorisiert werden. Am Deutlichsten hat die Bundestagsabgeordnete Filiz Polat von den Grünen diese Kritik formuliert.  „Wir brauchen eine klare, ehrliche und dialogorientierte Haltung der Regierunggegenüber den muslimischen Religionsgemeinschaften. Man kann sich einen „deutschen Islam“ nicht einfach backen. Es braucht verbindliche Lösungen auf Bundesebene sowie eine selbstkritische Reflexion der letzten zwölf Jahre“.

Es ist durchaus berechtigt nachzufragen, wer „den Islam“ in Deutschland vertritt. Den Verbänden, in den über 2000 Moscheen organisiert sind, wird immer bescheinigt, dass sie es nicht – zu mindestens nicht in Gänze tun würden. Kleine Organisationen legitimieren sich durch Presse und Politik und werden vom Staat protegiert. Aber kann man dann Vereine wie die Alhambra Gesellschaft, der Liberal Islamischer Bund oder die Initiative Säkularer Islam, die vielleicht einige Dutzend Mitglieder haben, als Vertreter der Muslime ansehen? Für mich geht es dabei nicht nur um Vertretungsanspruch, sondern auch um die Legitimation durch Diskursfähigkeit.

Was habt ihr für uns anzubieten?

Die Diskussion um den Vertretungsanspruch hat uns in die Sackgasse gebracht. Deshalb plädiere ich für Folgendes – unabhängig davon wer teilnimmt alle Teilnehmer sollten im Vorfeld ihre Projekte und Ideen der Öffentlichkeit vorstellen. Wir Normalos haben ein Anrecht darauf zu wissen, wer, was vertritt: „ Was habt ihr für uns Muslime in Deutschland anzubieten? Was sind Eure Vorschläge, eure Projekte?“ Konkret würde dies z.B. heißen: „Was denken die einzelnen Vertreter über die Imamausbildung in Deutschland“ oder wie unser Muslimsein Hier und Heute im deutschsprachigen Kontext aussehen könnte. Dazu habe ich isnbesondere von den Verbänden noch nichts vernommen! Wir Muslime in Deutschland verdienen nicht diese Sprachlosigkeit und diese geistige Demenz. Denn außer der „Kritik“, das Schweinefleisch bei der DIK serviert wurde und die Beine von Serap Güler zu sehen waren, ist nirgends eine konstruktive Kritik zu lesen. Folglich sollten alle Gruppen und Vertreter der DIK fernbleiben, die keine Konzepte erarbeiten können für die Anliegen der Muslime.

JA! Die Zusammensetzung ist problematisch, ja der Staat hat nicht das Recht sich in die inneren Angelegenheiten der Muslime einzumischen. Bei aller Kritik aber hat die DIK in der Vergangenheit Erfolge erzielt, wenn es z.B. um den Islamunterricht oder die Einrichtung von Lehrstühlen für islamischeTheologie geht – wo die Verbände auch miteingebunden sind. Es bleibt aber ein fader Geschmack.

Zum Schluss: Seien es Optimisten oder Pessimisten. Es verstärkt sich der Eindruck bei mir, dass es nicht nur um die Sache geht sondern um Macht, Einfluss und Geld – auch deswegen nehmen auch alle Pessimisten daran teil. „Weil es im Integrationsgeschäft auch um Ressourcen und Deutungsmacht geht, hat das Modell „Staat lädt Muslime an den Tisch derRepublik“ Spaltungen innerhalb der islamischen Akteure verstärkt. Die DIK wurde eine Art Dompteurin beim Wettstreit der vertretenen Muslime und Musliminnenum die Gunst des Staates.“ Folglich möchte jeder an den Topf und versucht den Anderen auszuschachern und schlecht zu reden, so mein persönlicher Eindruck.

Ein Gedanke zu „Nach der DIK: Der Wunsch nach Macht, Einfluss und Geld

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